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Wellness, so habe ich es in der Schule gelernt, bedeutet in erster Linie “Wohlbefinden”, “Wohlfühlen”. Ein Wort mit sehr viel Möglichkeiten und Auslegungsvarianten. Eigentlich. Und dennoch, hören wir das Wort Wellness, so tun sich vor unseren Augen prächtige, weitläufige Räumlichkeiten auf. Saunen, Dampfbäder, Infinitypools und und und. Wundervoll gestaltete Wellnessbereiche sind ja auch was Schönes. Trotzdem, irgendwie ist es schade, dass wir Wellness heute nur in Quadratmetern, Ausstattung und Pooltemperaturen definieren.

Noch dazu kommt, dass für so manche Frau ein Wellnessurlaub nicht so ganz einfach zu planen ist. Man braucht auch zum Nichtstun das richtige Outfit, dann wäre da noch die eine oder andere kleine Delle am Po welche vom letzten Schokoladen-Mousse-Genuss übrig geblieben ist und dann gibt’s da noch mich, die bei der vorhergehenden Beinrasur, ein Haar übersehen hat. Dabei geht’s doch eigentlich um ein paar Tage herrliches Nixtun und Wohlfühlen.

 

Wir zahlen viel für dauergeheizte Saunen, Vital-Wellnessmenüs wo das Wort gegart öfter vorkommt als in so manchem Kochbuch, Rund um die Uhr Beschallung mit Wassergeplätscher-Musik und wo wir aus dem gewohnten Hocken in 4 Wänden herauskommen, um erst wieder ein Wochenende in 4 Wänden zu verbringen. Ein kleines bisschen widersprüchlich das Ganze. Und darum: “Es ghört einfach viel mehr in der Natur gewellnesst!”

 

“Die Natur reicht uns die Hand der Freundschaft, sie lädt uns ein, damit wir uns an ihrer Schönheit erfreuen.” (Khalil Gibran) 

 

Wahrscheinlich liegt es an meiner Kindheit, die draußen statt drinnen stattfand oder an meiner Zeit in Wien, wo ich die Schönheit meiner Heimat und der Natur erst richtig zu schätzen lernte. Vielleicht auch an der Tatsache, dass es so einfach ist, pure Erholung in der Natur zu finden. Wenn ich abschalten will, brauch ich nicht weiß Gott wohin fahren, ich brauch eigentlich nur bei der Haustüre raus und den Berg hinauf. Ich muss keine Hotelbeschreibungen und Inklusiv-Angebote studieren, um das zu finden, was ich suche: Wohlbefinden.

 

Nicht nur die Schönheit und die Einzigartigkeit der Natur, sondern dieses Gefühl, dass bereits nach wenigen Minuten das Wohlfühlen beginnt. Egal ob Hotelalltag oder Büroalltag, oft jagen die kuriosesten (“Haben Pinguine Knie?”) gemischt mit den ernsthaften (“Verkauft sich die neue Pauschale wohl gut?”, “Hab ich beim letzten Kundengespräch eh keinen Blödsinn gebaut?”) Gedanken durch unseren Kopf. Die wollen dann meistens auch partout nicht raus.

 

Gegen hartnäckige Gedanken. Da hilft es dann oft, das Schritttempo zu erhöhen. Durch die erhöhte körperliche Anstrengung, müssen wir uns auf Atmung, den Weg und den Moment mehr konzentrieren. Somit blenden wir den ganzen “Arbeitsmist” automatisch aus. Und dann fällt es uns auch gleich viel leichter die Schönheit der Natur zu erkennen. Am Ziel oder bei der ersten Pause auf einer Bank im Wald schweift der Blick durch die Umgebung -  egal wo. Und dann kommt dieses “BAM”-Gefühl. Dass man gerade etwas wundervolles fühlt, pures Glück & eine wohlige Wärme. Egal was uns vorher durch den Kopf gegangen ist, es findet nicht mehr den Weg in die Gedanken. Weil die fokussieren wir auf das, was uns gerade umgibt. Sei es ein Bergsee, der Rundumblick vom Gipfel oder einfach nur ein Eichhörnchen. Und es geht so einfach. Jeder von uns kann das. Egal welches Outfit, egal ob Arbeitsbiene oder Akademiker, ob man am Waldrand wohnt oder in einer Stadt. Irgendwo finden wir immer ein Fleckchen Natur in unserer Nähe.

 

Gerade die Zeit, die wir bewusst in der Natur verbringen, gibt uns das, was Wellness bedeutet: Wohlbefinden. Auf eine ganz eigene Art und Weise. Unkompliziert, dauerhaft, kraftvoll. Bei mir ist dieses Wohlfühl-Gefühl in der Natur immens stark. Vielleicht weil ich der Mensch bin, der sich durch Bewegung und nicht durch rumdösen in einer Polsterliege, von lästigen Gedanken befreien kann. Vielleicht auch, weil es sich in der Natur schöner schwitzen lässt als in einer Sauna? Vielleicht auch, weil man in der Natur so akzeptiert wird, wie man ist - mit kleinen Dellen am Po oder Wohlfühlbäuchlein.  

 

In diesem Sinne: wir brauchen viel mehr “Wellness à la Natur”-Denken und weniger von der aktuellen Vorstellung von Wellness.

 

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