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Die aufziehenden Wolken haben wir schon seit Längerem sorgenvoll beobachtet. Auch die sich immer höher türmenden Gewitterwolken, die sich rasch vor uns aufbäumen. Langsam scheint auch lebhafter Wind aufzukommen. Das verheißt nichts Gutes! Und wenig später, als der erste Blitz in der Ferne zuckt und ein tiefes Grollen über die Berggipfel hallt, haben wir Gewissheit: Ein Gewitter zieht auf – und zwar schnell.  

Dass uns so etwas passiert… Dabei kennen wir die Gegend gut, sind erfahrene Bergwanderer und haben den Wetterbericht gewissenhaft studiert. Nun ja, die Natur hält sich offenbar nicht an die „geringe Gefahr von vereinzelten Wärmegewittern“. So sehen wir uns gezwungen, kurz unterhalb des Gipfels umzukehren und schleunigst die nächste Hütte aufzusuchen.

Nur wenige Minuten später beginnt es zu regnen. Dicke Tropfen fallen zu Boden und das Gewitter kommt immer näher. „Einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig,…“ Wir versuchen, die Sekunden zwischen Blitz und Donner zu zählen. Denn wir wissen: bei einem Abstand von weniger als 11 Sekunden besteht Lebensgefahr. Wir messen 12 Sekunden – das entspricht etwa einer Entfernung von 4 km. Wir versuchen nicht in Panik zu verfallen und flott, aber sicher weiterzugehen.

 

Denn übereiltes Gehen oder Laufen birgt oft größere Unfall- und Verletzungsgefahr als das Gewitter selbst.   Sintflutartige Regenfälle gehen auf uns nieder und vermischen sich immer mehr mit Hagelkörnern. Wir zählen gerade noch 6 Sekunden zwischen Blitz und Donner. Bis zur nächsten Almhütte schaffen wir es wohl nicht mehr. 

Nun gilt es, sich richtig zu verhalten.
Das heißt: 

  • weg von Berggraten, Gipfeln, einzelnen Bäumen oder Baumgruppen und Waldrändern mit hohen Bäumen

  • möglichst von Stahlseilsicherungen und Metallgegenständen (auch Mountainbikes) fernbleiben

  • wasserführende Rinnen, Höhlen und Übergänge meiden (auch wenn sie Schutz vor dem Regen bieten).

Zum Glück sind wir mittlerweile unterhalb der Baumgrenze angelangt. Denn der dichte Wald bietet Schutz vor Blitzschlag. Auch wenn uns angst und bange ist, verteilen wir uns so weit wie möglich, um nicht als Einheit zu wirken. Jeder von uns hockt sich zusammengekauert in eine Mulde, die Beine bleiben geschlossen. Über unseren Köpfen entlädt sich das Gewitter in seiner vollen Wucht. Dass wir in so eine Situation kommen würden, hätten wir uns beim besten Willen nicht gedacht.  

Doch es wird uns eine Lehre für die Zukunft sein: wir werden den Wetterbericht noch genauer studieren und in unserer Tourenplanung mögliche Zufluchtsorte berücksichtigen.

Aber die Natur hat uns in eindrucksvoller Weise ihre Unberechenbarkeit gezeigt – und so sind wir froh, über das richtige Verhalten bei Gewittern in den Bergen Bescheid gewusst zu haben. Denn ein Gewitter kann jeden überraschen.

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