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Der Zweite Weltkrieg war für Familien keine leichte Zeit. Ganz besonders zu Weihnachten. Die Väter und Söhne waren im Krieg, die Frauen und Töchter warteten voller Verzweiflung zu Hause. Auch Familie Simonlehner hatte dieses schwere Schicksal zu tragen. Alle drei Söhne mussten in den Krieg ziehen und ihre Schwester Hilda blieb mit ihren Eltern alleine daheim zurück.

All die Jahre vor dem Krieg hatte die Hilda Weihnachten geliebt. Es war stets ein Fest der Freude. Die ganze Familie kam in der Stube zusammen und feierte, einfach aber ohne Streit, das Heilige Fest.

Auch in jenem besagten Jahr während des Krieges wollte Hilda an den geliebten Weihnachtstraditionen festhalten. Wenigstens einen Weihnachtsbaum wollte sie aufstellen. Unbedingt. Doch die Eltern hatten für diesen Wunsch wenig übrig. Es herrschte Krieg und keiner ihrer Söhne war zu Hause. Für sie gab es keinen Grund zu feiern. Nicht einmal das Weihnachtsfest. Verständlich.

Doch Hilda ließ sich von ihrer Idee nicht abbringen. Man hatte ihr in diesem Advent schon die Brüder weggenommen; den Weihnachtsbaum würde sie sich nicht auch noch nehmen lassen.

So schlich das Mädchen heimlich in den Wald, um einen kleinen Baum zu fällen. Nachts, als alle schliefen, brachte sie das Bäumchen ins Haus und wollte es festlich schmücken. Doch in der fürchterlichen Kriegszeit mangelte es einfach an allem.

An echten Weihnachtsschmuck war nicht zu denken. So sammelte Hilda alles Mögliche, was sie im Haus, am Hof und im Garten finden konnte und bastelte ihren eigenen Schmuck für den Weihnachtsbaum.

Als die Eltern den geschmückten Baum am nächsten Morgen vorfanden, waren sie verblüfft und auch ein wenig Stolz auf die Dickköpfigkeit und den unbeugsamen Willen ihrer Tochter. Das Bäumchen durfte in der Stube stehen bleiben. So kam es, dass Hilda und ihre Eltern am Abend des 24. Dezembers doch vor einem Weihnachtsbaum saßen.

Freilich war es keine Feier wie in den vergangenen Jahren. Es war sogar sehr still. Nur ein flackerndes Kerzenlicht erleuchtete die Stube. Hilda und ihre Eltern saßen still nebeneinander und dachten traurig und voller Sorge an Hildas Brüder.

Plötzlich ging die Türe auf und ein Schwall kalter Luft durchflutete die warme Stube. Hilda traute ihren Augen nicht. Auf der Schwelle stand ihr großer Bruder Johann, der älteste der drei Feisterer Söhne. Ungläubig stürzten Hilda und ihre Eltern auf ihren „Hansl“ zu und fielen ihm mit Tränen in den Augen um den Hals.

Als sich alle ein wenig beruhigt hatten, erzählte Hansl wie es zu dieser Weihnachtsüberraschung gekommen war. Sie seien gerade auf der Durchreise und hätten in Schladming Halt gemacht. Von da sei er zu Fuß in die Ramsau gelaufen, um am Heiligen Abend bei seiner Familie sein zu können. Man hatte ihm erlaubt, bis am nächsten Morgen in seinem Elternhaus zu bleiben.

So konnte Familie Simonlehner in jenem Jahr wenigstens zu viert Weihnachten feiern. Hilda bekam doch noch ein kleines Fest unter dem Weihnachtsbaum, wie sie es sich so sehnlich gewünscht hatte. Und der Familie gab die Weihnachtsüberraschung vor allem Hoffnung und den Glauben, dass bald alle Söhne wieder wohlauf nach Hause zurückkehren würden.

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