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Mehr als 12.000 Einsatzkräfte sind für den Österreichischen Bergrettungsdienst im Einsatz. Über 7.000 Einsätze und knapp 80.000 Einsatzstunden leisten die Bergretter jedes Jahr – ehrenamtlich, das darf man nicht vergessen!

Die Art der Einsätze ist von Region zu Region sehr unterschiedlich. Um mehr über die Arbeit der Bergretter im Ennstal zu erfahren, habe ich mit Manfred, einem echten Urgestein unter den obersteirischen Bergrettern, gesprochen:

Manfred, welche Einsätze kommen im Ennstal am häufigsten vor?

Im Winter findet der Großteil der Einsätze auf der Piste statt, das heißt wir übernehmen bei Pistenunfällen die Versorgung, die Bergung und den Abtransport des Verunfallten. In den kleineren Skigebieten im Ennstal leisten die Bergretter am Wochenende Pistendienst.

Der zweite große Bereich sind Sucheinsätze im Gelände: Das sind einerseits Einsätze im Skitouren- und Variantenbereich, zum Beispiel bei Lawinenabgängen oder Abstürzen. Oft handelt es sich bei den Abgängigen aber auch um Personen, dies sich einfach verlaufen haben, z.B. Demenzkranke.

Am Dachstein kommen noch Einsätze bei Eis- und Gletschertouren hinzu, darauf müssen sich besonders die Ramsauer Bergretter vorbereiten.

Und im Sommer?

Sucheinsätze finden natürlich das ganze Jahr über statt. Im Sommer spielen sich die meisten Einsätze im leichten Gelände im Bereich des Wanderns ab. Seltener kommen auch Schluchteinsätze z.B. im Canyoning vor.

Eine Besonderheit im Ennstal ist der Dachstein: hier sind häufig Felseinsätze in Kletterrouten und Klettersteigen erforderlich – eine große Herausforderung für die Bergretter.

Und dann wird im Sommer natürlich fleißig geübt…

 

„Fleißig üben“, was kann man sich denn darunter vorstellen?

Auch ausgebildete Bergretter müssen laufend an Schulungen und Fortbildungen teilnehmen, um immer auf dem neuesten Stand zu sein, vor allem Bereich der Rettungstechniken und Materialkunde. Zudem führen die einzelnen Ortsstellen meist 1x monatlich Übungen durch z.B. zur Seiltechnik oder Knotenkunde, um auf den Ernstfall vorbereitet zu sein.

 

Ich kann mir vorstellen, dass die Einsätze enorm belastend sind…

 

Ja. Zum Einen ist da die körperliche Belastung, allein schon durch das Gewicht der Ausrüstung. Und zum Anderen natürlich die psychische Belastung. Oft handelt es sich bei den Verunfallten um Personen aus dem Ort, die man persönlich kennt.

Wie geht ihr mit dieser Belastung um? Bekommt ihr Unterstützung von außen?

Es würde die Möglichkeit eines Kriseninterventionsteams geben, die mussten wir allerdings noch nie in Anspruch nehmen. Bei uns basiert viel auf Kollegialität und gegenseitiger Hilfe. Nach jedem Einsatz setzten wir uns zu einer Jause zusammen und besprechen das Geschehene, wenn nötig auch mehrmals. Besondere Sorgfalt gilt natürlich gegenüber den Jungen. Die versucht man auch vor den besonders belastenden Teilen eines Einsatzes abzuziehen.

 

Trifft das Klischee der Touristen, die sich aus Unwissenheit und Unerfahrenheit in den Bergen selbst in Gefahr bringen, eigentlich zu?

Teils teils. Ca. 50% der Einsätze betreffen Touristen und 50% Einheimische. Doch unabhängig davon, woher die Verunfallten kommen – oft sind die Umstände natürlich schon zu hinterfragen. Häufig sind die in Not Geratenen viel zu spät unterwegs, schlecht vorbereitet oder einfach leichtsinnig, z.B. wenn der Wetterbericht einfach ignoriert wird.

 

Ärgert ihr euch über solchen Leichtsinn? Immerhin riskiert ihr euer Leben…

Das Problem ist, dass mit dem Absetzen des Notrufs oft viel zu lange zugewartet wird. Dann müssen wir in der Dunkelheit ausrücken, was den Einsatz enorm erschwert. Aber wir müssen uns stets ins Bewusstsein rufen, dass unser Leben im Vordergrund steht. Ist ein Einsatz zu riskant, muss im Zweifel abgebrochen bzw. verschoben werden. Das muss man auch lernen.

 

Warum tust du dir diese Belastung an? Warum bist du Bergretter?

Ich war von klein auf immer in den Bergen unterwegs. Das ist meine Leidenschaft. Und wenn ich einmal in Schwierigkeiten geraten sollte, dann hoffe ich auch, dass jemand kommt und mir hilft. Genauso wie ich für verunglückte Kollegen da bin.

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