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Wann und durch wen der Hohe Dachstein das erste Mal bestiegen wurde, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Vermutlich war es im August 1819 durch Jakob Buchsteiner. Viele Pioniere des Bergsteigens durften im Laufe der Jahre im Dachstein-Massiv triumphieren.

Eines haben sie alle gemeinsam: sie schafften für ihre Zeit eine außergewöhnliche Leistung. Doch den Dachstein „bezwungen“ hat keiner von ihnen. Denn den Dachstein kann man nicht bezwingen – und man wird es auch nie können, egal mit welcher Technik und Ausrüstung.

Wie Edmund Hillary so schön sagte:
„Nicht der Berg ist es, den man bezwingt, sondern das eigene Ich.“

Das eigene Ich bezwingen mussten sicher auch die Brüder Franz und Georg Steiner, als sie im Jahr 1909 das bis dahin Unmögliche schafften: die Erstbegehung der Dachstein Südwand. Ausgerüstet, wie sich heute kein Kletterer in den Fels wagen würde. Ein Seil, ein provisorischer Brustgurt – das war’s.

 

Das Faszinierende daran ist, dass die Dachstein Südwand bis heute nichts von ihrem Reiz verloren hat. Die hunderte Meter hohe Felswand gilt als Paradies für Kletterer, das auch heute noch viele unlösbare Aufgaben birgt – trotz modernster Ausrüstung und technischer Hilfsmittel. Dazu zählt vor allem die freie Begehung der Südwand-Direttissima, der direkten Linie auf den Dachstein.

Erstbegangen wurde die legendäre Südwand-Direttissima 1967 durch die Kletterer Peter Perner und Leo Schlömmer. Im Stil der damaligen Zeit eröffneten sie eine neue Ära des Kletterns – auf die heute aber kein Kletterer mehr vertrauen würde. Wohl verwendeten die beiden Haken zur Sicherung. Diese wurden jedoch alle händisch eingeschlagen und nur etwa eineinhalb Zentimeter tief im Felsen verankert. Aus heutiger Sicht ein Wahnsinn: wer bei so einer Sicherung fällt, besiegelt sein eigenes Todesurteil.

 

Heute werden Sicherungshaken nur mehr eingebohrt. Auch auf einen simplen Wetterbericht aus dem Radio würde wohl kein gewissenhafter Bergsteiger mehr vertrauen. Hochmoderne Ausrüstung, technische Hilfsmittel und Funktionskleidung erobern die Kletterszene und vereinfachen vieles. Eine nicht ganz ungefährliche Entwicklung – oft wird vom trügerischen Gefühl der falschen Sicherheit gesprochen.

Egal, was die Zukunft des Klettersports bringt – die Wurzeln dieser unvergleichlichen Sportart sollen nie in Vergessenheit geraten. Sie mahnen uns zur Besonnenheit, zu Mut und Respekt vor der Natur. Mit einem Zitat von Edmund Hillary haben wir diesen Beitrag begonnen und mit einem Zitat von Reinhold Messner soll er enden:

 

„Wollen wir nicht zu reinen Körperakrobaten verkommen, so bleibt uns nichts anderes übrig als die Rückbesinnung auf das, was vor uns war, was uns dorthin geführt hat, wo wir heute angekommen sind.“

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